Musikanten suchen Quartier in Grimma

Jugendblasorchester empfängt im Spätsommer 1000 junge Musiker


Grimma. 13 Orchester aus sechs Ländern haben sich bislang angemeldet für das 9. Internationale Musikantentreffen, das im Spätsommer Grimma in Atem halten soll. „Vielleicht schaffen wir es auf 15 bis 20 Orchester“, sagt Stadtmusikdirektor Reiner Rahmlow. „Es gibt noch Verhandlungen“, so der Cheforganisator.

Brasilianer und Japaner zu Gast

So drehen die Grimmaer daran, dass die Winterschneise Blaskapelle aus dem brasilianischen Bom Principio den weiten Weg auf sich nimmt. „Wir waren zweimal in Brasilien und haben sie dort kennengelernt“, ist Rahmlow von der Qualität der Südamerikaner überzeugt.

Sicher ist hingegen schon, dass aus Japan das Asahino Brass Orchester an die Mulde kommt – der Klangkörper mit der bislang weitesten Anreise.

Das Jugendblasorchester Grimma will an den drei Tagen vom 31. August bis 2. September wieder ein würdiger Gastgeber sein. Im Rekordjahr 2014 spielten in der Stadt 30 Orchester aus elf Ländern auf. „Das war die Schmerzgrenze“, so Chefdirigent Rahmlow zur Teilnehmerzahl. Er rechnet im Spätsommer mit 1000 jungen Musikern, die untergebracht und verpflegt sein wollen.

Der Jugendblasorchester Grimma e.V. als Veranstalter übernimmt für alle ausländischen Gäste diese Kosten komplett, die deutschen Musikfreunde zahlen einen kleinen Teilnahmebeitrag. Für die Flugkosten aber müssen die Orchester aus Übersee selbst aufkommen. Deshalb bemühten sie sich auch um Fördergelder, weiß Rahmlow zu berichten.

Während die Japaner wegen der weiten Reise eine volle Woche in Grimma bleiben und deshalb privat nächtigen, werden den anderen Musikern Schulen und Turnhallen als Bleibe bereitet. Noch werden Quartiereltern gesucht, und Rahmlow bittet Interessenten, sich rasch zu melden. Das gilt auch für Personen, die den Orchestern während des Treffens als Betreuer zur Seite stehen und die Musiker durch Grimma lotsen.

Moment kümmert sich ein fünfköpfiges Team des JBO-Fördervereins um die vielfachen Vorbereitungen. Zum Ende hin sei ein Stab von etwa 100 Leuten im Einsatz, sagt der 58-jährige Stadtmusikdirektor. Er freut sich, dass neben der Sparkasse Muldental nun auch die Stadtwerke Grimma als Hauptsponsor eingestiegen sind. Auch die Kommune ist dem JBO ein wichtiger Partner. Denn das Musikfest ist nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine finanzielle Größe. Rahmlow nennt ein Volumen von 120 000 Euro, etwa 20 Prozent decken die Sponsorengelder ab. Deshalb auch sind gut besuchte Konzerte wichtig, denn der Verein kalkuliert mit den Eintrittsgeldern.

Orchester spielen ohne Gage

Das Budget auf diesem Niveau zu halten sei nur möglich, weil die Orchester ohne Gage arbeiten, sagt Rahmlow. Stürmischer Beifall ist ihr schönster Lohn.

Weil die Mittel nicht mehr so üppig fließen, veranstaltet das JBO das Musikantentreffen nicht mehr aller drei, sondern nur noch aller vier Jahre. „Wir wollen ja das Niveau halten“, betont der Stadtmusikdirektor. Schon jetzt fiebert er den Höhepunkten des diesjährigen Festes entgegen: Am 31. August zur Eröffnung der „Abend der Nationen“ im Festzelt, am 1. September ab 14 Uhr die große Musikschau im Stadion der Freundschaft mit allen 1000 Musikern und am Abend jenes Tages die Ermittlung der Publikumslieblinge. Rahmlow hofft, dass das 1500 Personen fassende Festzelt wieder auf dem Volkshausplatz stehen kann. Die Entscheidung müsse spätestens im Mai fallen. Vor vier Jahren mussten die Fest-Macher wegen des Baus der Flutschutzanlage auf die Muldewiese ausweichen. Der Weg habe einige durchaus abgeschreckt, weiß der Cheforganisator.

Das Musikantentreffen findet vom 31. August bis 2. September statt. Meldungen zu Quartieren und zur Unterstützung durch Lotsen nimmt das JBO unter Telefon 03437/917025 oder per Mail unter info@jbo-grimma.de entgegen.
Frank Prenzel

weitere Informationen Internationales Musikantentreffen: Homepage / Facebook

Leipziger Volkszeitung vom 06.02.2018