Erste Probe nach 13 langen Wochen in Grimma

Jugendblasorchester kann mit Sicherheitsabstand wieder gemeinsam musizieren


Grimma. 13 lange Wochen hat es gedauert, bevor die Musiker des Jugendblasorchesters (JBO) am Freitagabend erstmals wieder gemeinsam ihre Instrumente an die Lippen setzen konnten. „Selbst nach dem ersten großen Hochwasser vor 18 Jahren konnten wir die Proben viel eher wieder aufnehmen“, verdeutlicht Orchesterleiter Reiner Rahmlow die Tragweite der Corona-bedingten Zwangspause.

Normalität allerdings herrscht deshalb im Konzertsaal des Soziokulturellen Zentrums, der traditionellen Probenräumlichkeit des JBO, noch lange nicht. Vielmehr sitzen die gut zwei Dutzend Musiker bis auf Weiteres in einem für den Dirigenten ungewöhnlich großem Abstand zueinander und sind dazu angehalten, das beim Spiel ihrer Instrumente anfallende Kondensat auf einem Papier aufzufangen. „Virenschleudern sind Blasinstrumente allerdings ganz sicher nicht“, sorgte der Stadtmusikdirektor für zusätzliche Beruhigung. Die stellte sich bei Reiner Rahmlow selbst ein, als er feststellte, dass in der Corona-Zwangspause nicht alles in den Wochen und Monaten zuvor Erlernte bei seinen Musikern verloren gegangen war, nachdem sie zuvor auf seine Frage, ob sie denn in den 13 Wochen auch schön geübt hatten, mit einem deutlich vernehmbaren „Ja“ geantwortet hatten.

Im Einzelgespräch bekannte allerdings Flügelhornistin Chiara Elsner, dass sie ihre Übungsintensität „eher im Mittelfeld“ einordnen würde. „Immerhin habe ich aber die Möglichkeit, zu Hause zu üben, weil ich mit meinen Eltern in einem Einfamilienhaus wohne“, so die 14-jährige Köhraerin, die pflichtbewusst ergänzte, dass ihr die Proben gefehlt hätten.

Undiplomatischer äußerte sich Trompeter Alexander Rohmkopf. „Ich habe beruflich als Koch viel zu tun und andere Sorgen als die ausgefallenen Proben gehabt“, so der 18-Jährige. „Aber auch ich bin froh, dass langsam wieder Normalität Einzug hält.“ Nicht jedoch hinsichtlich des Konzert-Kalenders des Grimmaer Klangkörpers. „Einen Gastauftritt beim Weinfest Ende August in Rüdesheim am Rhein haben wir abgesagt, weil wir die Hygienevorgaben in der Turnhalle dort mit unserem großen Orchester nicht hätten umsetzen können“, erläutert Reiner Rahmlow. In der Turnhalle hätten die Musiker schlafen sollen. „Mit etwas Glück können wir erstmals seit Februar wieder Ende September im Rahmen des Grimmaer Stadtfestes gemeinsam auftreten.“
Von Roger Dietze

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Leipziger Volkszeitung vom 08.06.2020

Auf Abstand: Die Musiker des Jugendblasorchesters haben nach einer Zwangspause wieder mit den Proben begonnen. Foto: Roger Dietze

Auf Abstand: Die Musiker des Jugendblasorchesters haben nach einer Zwangspause wieder mit den Proben begonnen.
Foto: Roger Dietze

 

Bei der ersten Probe hat das JBO Grimma wieder ein kurzes Video produziert und bei YouTube eingestellt:

Am Freitag, 5. Juni 2020, fand die erste Probe des Jugendblasorchesters Grimma nach fast 3-monatiger, coronabedingter Zwangspause statt. Wie sich die Jungs und Mädels darauf gefreut haben zeigen sie euch in diesem Video.